Ein kurzer Überblick über die Geschichte der Stadt Bonn

Der Rhein bei Bonn, Foto von @karolina08 @Unsplash
Der Rhein bei Bonn, im Hintergrund World Conference Center, Langer Eugen, Posttower und Drachenfels


Die Bundesstadt Bonn ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Köln im Süden des Landes Nordrhein-Westfalen und Zweitregierungssitz der Bundesrepublik Deutschland. Mit circa 330.000 Einwohnern zählt Bonn zu den zwanzig größten Städten Deutschlands. Von 1949 bis 1990 war Bonn Hauptstadt und bis 1999 Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland. Heute ist Bonn u.a. Sitz der Deutschen Telekom, der Deutschen Post und zahlreicher Organisationen der Vereinten Nationen.


Die ersten Menschen - das Rheinland in der Frühgeschichte

Bad Münster am Stein Ebernburg, Foto von @lucajns @Unsplash
Typische Rheinlandschaft zur Zeit der ersten menschlichen Besiedlungen


Das Rheinland, speziell das Gebiet rund um Bonn, wurde bereits lange vor unserer heutigen Zeitrechnung von Menschen besiedelt. Davon zeugen verschiedene Funde, vor allem im südlichen Bonner Stadtbereich Bad Godesberg. Bei diesen Funden handelt es sich in erster Linie um Faustkeile, die frühesten von Menschen gemachten Werkzeuge. Sie lassen sich auf die Altsteinzeit (ca. 50.000 v. Chr.), nach der Steinzeit die zweitfrüheste Phase der Existenz des modernen Menschen, Homo sapiens, zurückdatieren.

1914 wurden im sog. Doppelgrab von Oberkassel die Skelette von zwei Menschen gefunden, deren Alter auf ungefähr 14.000 Jahre geschätzt wird. Die Skelette, bei denen es sich um die Überreste eines circa 50-jährigen Mannes und einer circa 25-jährigen Frau handelt, sind damit die ältestens jemals in Deutschland gefundenen Skelette des modernen Menschen und belegen weiter die frühe Besiedlung des Bonner Raums.

Der Rhein, dessen Verlauf sich seit seiner Entstehung vor Millionen von Jahren mal stärker und mal weniger stark verändert hatte, bot bereits den ersten Menschen eine zuverlässige Quelle für Nahrung in Form von Süßwasser, Fisch und Muscheln. Wild, welches sich ebenfalls in der Nähe des Stroms ansiedelte, bot weitere Nahrung und zusätzliche Ressourcen wie Knochen und Fell. Die vulkanische Aktivität in den Mittelgebirgen und in der Eifel, mitverantwortlich für die Entstehung des Rheinlandes so wie wir es heute kennen, war zugleich Fluch und Segen für die ersten Menschen. Der letzte große Ausbruch eines Vulkans in der Eifel, etwa 10.930 v. Chr., dürfte für die menschlichen Siedler damals wie das Ende der Welt gewirkt haben. Das Rheinland um das heutige Bonn wurde von einer bis zu sieben Meter dicken Schicht aus Asche bedeckt. Der Rhein wurde durch die enormen Auswurfmengen aufgestaut, der darauf folgende Dammbruch setze eine Flutwelle frei, die sich bis zum Niederrhein an der niederländischen Grenze ergoss. Gleichzeitig profitierten vor allem die Menschen in den Jahrtausenden nach der Altsteinzeit von den vulkanischen Ablagerungen, die bis heute günstige Bedingungen für Landwirtschaft bieten.


Eine Siedlung entsteht - die Römer in Bonn

Julius Cäsar, Foto von @couleuroriginal @Unsplash
Julius Cäsar führte erstmals römische Truppen in das heutige Bonn


Im letzten Jahrhundert v. Chr. hatten sich verschiedene germanische und keltische Stämme im Bonner Stadtgebiet angesiedelt. Während die germanischen Sugamber sich rechtsrheinisch niedergelassen hatten, siedelten linksrheinisch die keltischen Eburonen. Zu dieser Zeit stießen römische Legionen erstmals in das Rheinland vor. Im Krieg gegen die gallischen Belger kam es 57. V. Chr. zu einer kurzweiligen Allianz zwischen Eburonen und Römern. Diese Allianz zerbrach nur drei Jahre später wieder, als die Eburonen ein römisches Winterlager angriffen und etwa 10.000 römische Soldaten töteten. In der Folge kam es zu mehreren Rachefeldzügen unter Julius Cäsar. Diese Feldzüge führten weitgehend zur Vertreibung der Eburonen aus dem Gebiet und beinahe zur Ausrottung des gesamten Stammes. Die Sugamber, welche von der Niederlage der Eburonen zu profitieren hofften und das nun größtenteils unbesiedelte linksrheinische Gebiet besetzen wollten, wurden von den Römern daran gehindert. In den folgenden Jahrzehnten wurde stattdessen der germanische Stamm der Ubier, welcher gute Beziehungen mit dem Römern pflegte, von diesen im heutigen Bonner und Kölner Raum angesiedelt.

Zwischen 12 und 18 v. Chr. entstand nun in Bonn ein erstes römisches Lager, zuerst als Auxiliarlager, später als vollständig ausgebautes und befestigtes Kastell. Die Römer betrachteten zu dieser Zeit den Rhein als natürliche Grenze ihres Reiches. Das Kastell erhielt den Namen Castra Bonnensia, oder kurz Bonna, und diente von diesem Zeitpunkt an immer wieder als Ausgangsort für römische Vorstöße in rechtsrheinisches Gebiet. Diese Vorstöße wurden nach der vernichtenden Niederlage der Römer in der Varusschlacht 9 n. Chr. eingestellt. In den folgenden 100 Jahren wurden linksrheinisch weitere Lager und Siedlungen angelegt, u.a. die Vicus Bonnensis im heutigen Stadtteil Gronau. Mittlerweile lebten circa 10.000 Menschen in Bonn, eine für damalige Verhältnisse beeindruckende Zahl. Zusätzliche Truppenverlegungen von Köln und sogar aus der Schweiz nach Bonn unterstreichen weiterhin die damalige Bedeutung der Stadt bzw. ihres römischen Vorläufers.

Im 3. Jahrhundert n. Chr. erlebte das Römische Reich eine Periode der innen- und außenpolitischen Schwäche. Diese Schwäche wurde vielerorts von Feinden des Reiches ausgenutzt. Die Sugamber hatten zu dieser Zeit mit einigen anderen germanischen Stämmen rechts des Rheins den Bund der Franken gegründet. Die inneren Probleme des Reiches erkennend versuchte dieser Bund nun, die Römer und ihre Verbündeten aus ihren linksrheinischen Befestigungen und Ortschaften zu vertreiben. Die Zahl der Einwohner von Bonn war mittlerweile auf 17.000 gestiegen, 7.000 von ihnen waren Angehörige der römischen Armee. Es gelang den Franken nicht, das Kastell einzunehmen. Jedoch sahen sich die Römer in der Folge der Angriffe gezwungen, die schlecht zu verteidigenden Wohngebiete außerhalb des Lagers aufzugeben. Damit begann der Niedergang der Römer im Raum Bonn. In den darauffolgenden Jahren wurden immer mehr Soldaten aus dem Kastell abgezogen. Eine der letzten Errungenschaften der Römer in Bonn war der Bau einer Nekropole zur Bestattung von Verstorbenen. Diese Nekropole auf dem heutigen Münsterplatz bildete in den kommenden Jahrhunderten die Grundlage für den Bau des Bonner Münsters.

Im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. griffen die Franken immer häufiger die römischen Befestigungen in Bonn an. Auch anderenorts fiel es den Römern immer schwerer, den angreifenden Franken Widerstand entgegen zu setzen. Das Bonner Kastell wurde wohl 353 n. Chr. von den Franken zerstört. Vier Jahre später wurde das Lager, vermutlich etwas kleiner, wieder aufgebaut. Das Römische Reich hatte seine Blütezeit aber hinter sich. Nach der Teilung des Reiches 395 n. Chr. und weiteren Krisen wurde der Rhein 458 n. Chr. als Grenze aufgegeben. Zu dieser Zeit war die Bevölkerungszahl in Bonn von einst 17.000 auf nun nur noch 3.000 oder 4.000 Menschen geschrumpft. Mit der Eroberung Triers durch die Franken im Jahr 475 n. Chr. war die Zeit der Römer am Rhein endgültig vorbei.


Die Wiederauferstehung - Bonn im Mittelalter

Sterntor, Foto von Matthias Groß
Das ursprünglich im Jahr 1244 erbaute, 1898 abgerissene und 1900 rekonstruierte Sterntor, Teil der mittelalterlichen Befestigung der Stadt Bonn


Mit dem Abzug der Römer war die einstige Blütezeit der Stadt vorbei. Die nun in dem Gebiet lebenden Franken besaßen weder das Wissen noch den Willen, um die römischen Gebäude und die römische Infrastruktur instand zu halten. Stattdessen besiedelten die Franken die umliegenden Gebiete, wodurch zahlreiche neue Dörfer rund um Bonn entstanden. Mit dem Niedergang der Merowinger im 8. Jahrhundert n. Chr. und dem Aufstieg der Karolinger ließen sich dann immer mehr Menschen auch in den ehemals römischen Stätten im Bereich der heutigen Bonner Innenstadt zwischen Münster und Markt nieder.

Einige Jahre zuvor war an der Stelle der ehemaligen römischen Nekropole ein steinerner Saalbau entstanden, der in den kommenden Jahren weiter ausgebaut wurde und sich zum Zentrum der Stadt entwickelte. Nachdem das Gebäude von einigen Klerikerin bezogen wurde, wurde es erst zur Grabkirche und dann zur Stiftskirche zu Ehren der Märtyrer St. Cassius und St. Florentius erhoben. Cassius und Florentius waren römische Soldaten christlichen Glaubens, die der Legende nach im 3. Jahrhundert n. Chr. am Fuße des Kreuzbergs in Bonn hingerichtet wurden, weil sie sich weigerten, gegen christliche Glaubensbrüder zu kämpfen. Ihre Körper sollen daraufhin von Helena Augusta, der Heiligen Helena, geborgen und am Ort des heutigen Münster begraben worden sein.

In den kommenden Jahrhunderten entwickelte sich Bonn wieder zu einer wichtigen Stadt. Als Teil des Heiligen Römischen Reiches, unter dem Schutz des Kaisers und weit weg von den Grenzen des Reiches, herrschte Frieden in der Stadt und dem umliegenden Rheinland. Die Ausnahme von diesem Frieden bildeten die Jahre 882 bis 891 n. Chr., in denen Bonn mehrfach Ziel von Überfällen der Wikinger (882) und Normannen (883 / 891) war. Im 11. und 12. Jahrhundert konnte Bonn seine wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung ausbauen. Neben einer Marktsiedlung war inzwischen auch eine Siedlung für Fernhändler entstanden. Der Handel mit Wein und anderen hochwertigen Produkten brachte der Stadt einiges an Reichtum ein. Die Stiftskirche St. Cassius und Florentius wurde zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert zum heutigen Bonner Münster ausgebaut.

1210 wurde der Grundstein der Godesburg auf dem Godesberg, einem erloschenen Vulkan, gelegt. Damit entstand eine der wichtigsten und bis heute prägendsten Burgen im Bonner Raum. 1244 wurde angeordnet, das Gebiet zwischen Münster und Rheinufer mit einer Steinmauer zu umgeben. Damit konnte sich Bonn endgültig von einer großen Siedlung zu einer Stadt erheben. Diese wirtschaftliche und kulturelle Erhebung wurde 1286 vom damaligen Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg, zu dessen Herrschaftsbereich, dem Kurfürstentum Köln, die Stadt Bonn damals zählte, durch die Einführung einer Ratsverfassung auch rechtlich abgeschlossen. Die Stadt war nun eine der einflussreichsten Zoll- und Handelspunkte entlang des Rheins, einer der wichtigsten europäischen Handelsrouten.

Politische Interessenskonflikte führten 1283 zum Limburger Erbfolgestreit zwischen Erzbischof Siegfried von Westerburg und Johann I. von Brabant. Dieser regionale Konflikt sollte sechs Jahre andauern und die politische Landschaft des Rheinlands stark verändern. 1288 kam es in der Schlacht von Worringen zum Finale des Krieges. Diese Schlacht, die mit insgesamt circa 9.000 Kämpfern, davon etwa 5.000 gepanzerten Reitern, zu den größten mittelalterlichen Schlachten des Rheinlands zählt, endete mit der Niederlage des Erzbischofs. Neben seiner vorübergehenden Gefangennahme musste Siegfried von Westerburg viele weitere Einschränkungen seiner Macht hinnehmen. So wurde die Stadt Köln zu einer Freien Reichsstadt erklärt und damit faktisch unabhängig vom Kurfürstentum Köln. Siegfried von Westerburg musste die Stadt verlassen und wählte Bonn als seinen neuen Wohn- und Amtssitz. Für das im 13. Jahrhundert noch immer beschauliche Bonn mit seinen geschätzt 3.000 Einwohnern führte dies in den folgenden Jahrhunderten zu einem erneuten politische und wirtschaftlichen Aufschwung, machte die Stadt aber auch zu einem Zentrum für aufflammende Konflikte.


Der Truchsessische Krieg - 1583 bis 1590

Zerstörung der Godesburg
Die Zerstörung der Godesburg durch bayrisch-spanische Truppen im Jahr 1583


Mit dem Ende des Mittelalters begannen für Bonn unruhige Zeiten. Der Sitz der Kurfürsten von Köln brachte zwar Macht, aber auch Konfliktpotential in die nun wieder wachsende Stadt. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts musste Bonn erfahren was es bedeuten konnte, Machtzentrum zu sein. Kurfürst Gebhard Truchseß von Waldburg verliebte sich zu dieser Zeit in die protestantische Gräfin Agnes von Mansfeld-Eisleben. Um eine Heirat zu ermöglichen konvertierte er zum protestantischen Glauben und versuchte, das katholische Kurfürstentum in ein weltliches Fürstentum umzuwandeln, in dem alle christlichen Konfessionen gleichberechtigt wären.

Dieser Versuch stieß bei den katholischen Fürsten des Heiligen Römischen Reiches auf wenig Verständnis. Sie fürchteten, dass der Katholizismus im gesamten Rheinland in Gefahr wäre, sollte mit dem Kurfürstentum Köln eine der tragenden Säulen des Katholizismus fallen und stattdessen ein protestantisches Fürstentum entstehen. Besonders das Herzogtum Bayern und das Königreich Spanien waren daran interessiert, den Katholizismus als stärkste Konfession im Reich zu schützen und eklärten Gebhard von Waldburg 1583 den Krieg. Damit begann der Truchsessische bzw. Kölner Krieg. Noch im Dezember des selben Jahres wurde die Godesburg, in der Gebhard von Waldburg Zuflucht gesucht hatte, von bayrisch-spanischen Truppen erobert und größtenteils zerstört. Nur wenige Wochen später wurde auch Bonn von den katholischen Truppen besetzt. Gebhard von Waldburg floh in die Niederlande, woraufhin der Krieg mehrere Jahre durch Raubzüge und Plünderungen beider Seiten geprägt war. Zu klassischen Feldschlachten kam es kaum noch. Bonn wurde Ende 1587 zwar von niederländischen Truppen zurückerobert, fiel zehn Monate danach, am 24. September 1588, aber bereits wieder an die Spanier. In den folgenden Wochen und Monaten kam es zum Zerwürfnis zwischen Gebhard von Waldburg und seinen niederländischen Unterstützern, so dass von Waldburg 1590 kapitulieren musste.

In der Folge wurde der Katholizismus im Rheinland erneut gestärkt. Auch die politische Position der bayrischen Wittelsbacher erfuhr einen starken Auftrieb. Gebhard Truchseß von Waldburg musste seinen Titel als Kurfürst abgeben, siedelte nach Straßburg um und starb dort 1601. An seine Stelle traten nun bayrische Bischöfe als Kurfürsten von Köln. Der Truchsessische Krieg war aber nicht nur für das Rheinland ein einschneidendes Ereignis. Er beendete auch viele Versuche, die unterschiedlichen Konfessionen im Heiligen Römischen Reich auf friedlichem Wege wieder miteinander zu vereinen und warf somit bereits einen düsteren Schatten auf den Dreißigjährigen Krieg.


Das 17. Jahrhundert - ein Jahrhundert der Kriege

Kanone auf dem Alten Toll, Foto von Matthias Groß
Eine Kanone auf dem Alten Zoll, dem letzten noch vorhandenen Teil der von 1622 bis 1644 am Rheinufer errichteten, später abgerissenen Bastion


Am 23. Mai 1618 begann mit dem Prager Fenstersturz der Dreißigjährige Krieg, der bis dahin verheerendste Konflikt, den Europa, und hier speziell das Heilige Römische Reich, je erlebt hatte. Der Krieg, welcher sich von einem lokalen religiösen Konflikt innerhalb weniger Jahre zu einem ausgewachsenen Territorialkrieg entwickelte, kostete Schätzungen zufolge zwischen drei und neun Millionen Menschen das Leben. Bonn selbst blieb, dank seiner Befestigungen und der geschickten Neutralitätspolitik des Kurfürsten Ferdinand von Bayern, von den größten Grauen des Krieges verschont. Dies galt aber nicht für die umliegenden Dörfer im Bonner Raum, die durch umherziehende Truppen beider Seiten über Jahrzehnte hinweg ständige Plünderungen, Erpressungen, Folter und Morde ertragen mussten. Hungersnöte und Seuchen trugen weiterhin dazu bei, dass der größte Teil der ländlichen Bevölkerung den Krieg nicht überlebte.

Am 24. Oktober 1648 endete der Krieg mit dem Westfälischen Frieden. Für Bonn, das den Krieg relativ glimpflich überstanden hatte, begann jetzt erneut eine Zeit der Unruhe, weit entfernt von dem erhofften Frieden. Sowohl 1673 als auch 1689 und 1703 kam es zu Belagerungen der Stadt. Dabei brachte die Belagerung von 1689 die schlimmsten Folgen für Bonn mit sich. Nach dem Tod des bisherigen Kurfürsten Maximilian Heinrich von Bayern im Jahr 1688 kam es zu einer Wahl um seinen Nachfolger zu ermitteln. Diese Wahl zwischen Joseph Clemens von Bayern und Wilhelm Egon von Fürstenberg-Heiligenberg endete nach Kirchenrecht aber ohne eindeutigen Sieger. Trotzdem betrachtete von Fürstenberg sich als Sieger der Wahl, da er mehr Stimmen erhalten hatte, und ließ die Stadt von Soldaten besetzen. Allerdings war von Fürstenberg ein Anhänger der Politik des französischen Königs Ludwig XIV., des sogenannten Sonnenkönigs. Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Leopold I., befürchtete eine Ausweitung der Macht des französischen Königs auf Bonn und über Bonn hinweg, legte beim Papst Protest gegen die Besetzung der Stadt ein und forderte den Papst auf, Joseph Clemens von Bayern stattdessen zum Sieger der Wahl und damit zum neuen Erzbischof zu erklären. Nachdem Papst Innozenz XI. dieser Bitte nachgekommen war, entsandte Ludwig XIV. französische Truppen in das Rheinland und nach Bonn, um von Fürstenberg dabei zu helfen, trotz der Einsprüche des Kaisers und des Papstes an der Macht zu bleiben. Ähnliche Streitigkeiten um das Kurfürstentum Pfalz führten zur Kriegserklärung des Heiligen Römischen Reiches, der Niederlande, England und Spanien gegen Frankreich. Damit Begann der neun Jahre andauernde Pfälzische Erbfolgekrieg.

Bereits 1622, nach den ersten Eindrücken des Dreißigjährigen Krieges, war die Verteidigung von Bonn durch moderne Bastionen und Befestigungsanlagen verbessert worden. Diese neuen Anlagen waren allerdings schon bei der Belagerung 1673 beschädigt worden und befanden sich 1689 gerade im Wiederaufbau. Um Angreifern die Möglichkeiten für Unterkunft, Verpflegung und Deckung zu nehmen zerstörten die Franzosen im Frühjahr 1689 viele Ortschaften im Bonner Umland. Oberkassel, Niederdollendorf, Königswinter, Andernach und Ahrweiler wurden zerstört, Rhöndorf, Bad Honnef, Siegburg, Mondorf und Geistingen in Brand gesteckt. Nach den schrecklichen Erfahrungen durch spanische, niederländische und schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg waren es nun französische Einheiten, die eine Spur der Verwüstung im Bonner Umland hinterließen und viele Todesopfer unter der Landbevölkerung zu verantworten hatten.

Trotz der französischen Bemühungen konnten kaiserliche Truppen am 11. Juli Beuel einnehmen. Man begann sogleich, insgesamt 140 Geschütze und 30 Mörser auf der rechten Rheinseite in Stellung zu bringen. Am 24. Juli befahl der Kommandant der kaiserlichen Truppen, Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, das Feuer auf Bonn zu eröffnen. Durch den insgesamt fünf Tage andauernde Beschuss wurden zahlreiche Gebäude in Bonn zerstört und große Teile der Stadt in Brand gesetzt. Am 16. August 1689 begann die eigentliche Belagerung der Stadt. Mehr als 30.000 kaiserliche Soldaten belagerten nun die ungefähr 3.000 französischen Soldaten innerhalb der schwer beschädigten Stadtmauern. Am 10. Oktober erfolgte der Sturmangriff, zwei Tage später kapitulierten die Franzosen und übergaben die Stadt.

Joseph Clemens von Bayern wurde daraufhin als Kurfürst eingesetzt und begann sofort mit dem Wiederaufbau der Stadt. Aber es sollte nur wenige Jahre dauern bis Bonn 1703, im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges, wieder von französischen Truppen besetzt, erneut zum Ziel einer kaiserlichen Belagerung wurde. Obwohl diese Belagerung bereits im Mai des selben Jahres erfolgreich beendet werden konnte war es Kurfürst Joseph Clemens erst 1715 möglich, nach Bonn zurückzukehren.


Endlich Frieden - Bonn blüht auf

Poppelsdorfer Schloss, Foto von @timaesthetic @Unsplash
Das Poppelsdorfer Schloss, eines der vielen ehrgeizigen Bauprojekte von Kurfürst Clemens August


Mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts bekamen die Bonner endlich die Chance, eine längere Zeit in Frieden zu leben und ihre Stadt neu aufzubauen. Das ambitionierteste Projekt war der Neubau des bei der Belagerung 1689 zerstörten kurfürstlichen Schlosses. Kurfürst Joseph Clemens begann sofort nach seiner Ankunft mit der Fortführung des bereits begonnenen, aber unvollendeten Baus. Der Einfluss Frankreichs, das damals in den Bereichen Bau und Architektur Maßstab aller Dinge war, sollte auch vor Bonn nicht haltmachen. Platz geschaffen wurde für diese neuen Bauten unter anderem durch den erzwungenen Abbau der alten Befestigungsanlagen. Heute erinnern nur noch der Alte Zoll am Rhein an die alte Bastion, die Bonn einst schütze.

Joseph Clemens starb 1723, sei Nachfolger wurde Clemens August von Bayern, einer der bis heute bedeutendsten und einflussreichsten Kurfürsten der Bonner Stadtgeschichte. Dieser Ruhm beruhte aber mehr auf seinem Ruf als Bauherr, Mäzen, Frauenschwarm und Jäger, und weniger auf seinen politischen Errungenschaften. Clemens August war darauf bedacht, Bonn zu einem prächtigen und glänzenden kurfürstlichen Hof zu machen. Seine Erfolge brachten der Stadt und ihren Bürgern Reichtum, wie man ihn seit Hunderten von Jahren nicht mehr gekannt hatte, und machten den Kurfürsten zu einem äußerst beliebten Herrscher. Clemens August hatte aber nicht nur Interesse an der Stadt Bonn selbst, sondern auch an dem umgebenden Land. So ließ er 1727 den Kottenforst erstmals systematisch vermessen und Alleen für seine Jagdausflüge anlegen. Um 1740 entstand in Sichtweite des kurfürstlichen Schlosses Schloss Clemensruhe, das heutige Poppelsdorfer Schloss. Ein geplanter Kanal, der beide Schlösser miteinander verbinden sollte, konnte nicht realisiert werden. Stattdessen legte man einige Jahre später eine Allee aus Kastanienbäumen an, die noch heute die beiden Gebäude miteinander verbindet.

Ein weiteres Projekt des Kurfürsten war der Wiederaufbau der Wallfahrtskirche aus dem Kreuzberg. Die Kirche, eine der religiös bedeutendsten Bauten in Bonn, hatte ebenfalls schwer unter der Belagerung von 1689 gelitten. Clemens August ließ sie wieder aufbauen und bis 1751 erweitern. Vier Jahre später waren auch die letzten Bauarbeiten am kurfürstlichen Schloss beendet.

Am 6. Februar 1761 starb Clemens August unerwartet und ohne einen Nachfolger bestimmt zu haben. Was er hinterließ waren gewaltige Schulden für die vielen Bau- und Landschaftsprojekte. Zwei Monate nach dem Tod des Kurfürsten wurde Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels zum neuen Herrscher über Kurköln gewählt. Nach fast 200 Jahren endete damit die Ära der bayrischen Wittelsbacher als Kurfürsten von Köln. Der neue Kurfürst war deutlich bescheidener als sein Vorgänger und versuche bald, die Staatsfinanzen durch Versteigerungen wieder in Ordnung zu bringen. Mehr als dem Bau galt das Interesse des neuen Kurfürsten der Musik und dem Theater. So gründete er 1778 das kurfürstliche Hoftheater und ließ zahlreiche Opern in Bonn aufführen.

Im Dezember 1770 wurde mit Ludwig van Beethoven der berühmteste Sohn der Stadt Bonn geboren. Ludwigs Vater, Johann van Beethoven, war Tenorsänger und Musiklehrer in Bonn. Schon früh erkannte er die außergewöhnliche Beziehung seines Sohnes Ludwig zur Musik und sorgte für eine qualifizierte musikalische Ausbildung. Am Bonner Hof, der für die damalige Zeit sehr liberal und aufgeklärt war, erhielt Beethoven neben seiner musikalischen Schulung auch erste Einblicke in die Ideen der Französischen Revolution. Diese Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sollten sich in vielen seiner späteren Kompositionen wiederfinden. 1786 reiste Ludwig van Beethoven nach Wien, um Schüler des bereits damals hoch angesehenen Wolfgang Amadeus Mozart zu werden. Dies scheiterte jedoch aus nicht näher bekannten Gründen. Nach Mozarts frühem Tod 1791 reiste Beethoven Ende 1792 erneut nach Wien, um stattdessen Schüler Joseph Haydns zu werden. Nur wenige Wochen nach der Abreise seines Sohnes starb Johann van Beethoven, der bereits seit vier Jahren Witwer war und sich zunehmend dem Alkohol hingegeben hatte. Ludwig van Beethoven blieb daraufhin in Wien. Bonn sollte er nie wiedersehen.

Am 27. April 1784 wurde der Habsburger Maximilian Franz von Österreich neuer Kurfürst von Köln, nachdem Maximilian Friedrich zwei Wochen zuvor verstorben war. Seine Herrschaft sollte aber nur von relativ kurzer Dauer sein. Denn nach fast einem Jahrhundert des Friedens erhob sich erneut der Schrecken des Krieges über Bonn.


Zwischen Frankreich und Preußen - Spielball der Großmächte

Blick auf Bonn, 1860
Eine Postkarte mit Blick auf das preußische Bonn um 1860, im Vordergrund das Poppelsdorfer Schloss, im Hintergrund das Bonner Münster


Die Französische Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts erschütterte das politische Europa. Preußen und Österreich, die beiden vorherrschenden Mächte im Heiligen Römischen Reich, fühlten sich durch die aufkommenden Gedanken von Demokratie und Gleichheit aller Menschen in ihrer Existenz bedroht. Daher bildeten sie eine Koalition mit dem Ziel, sich im Notfall auch durch einen Angriffskrieg vor den revolutionären Ideen aus Frankreich zu schützen. Frankreich versuchte seinerseits, einem Angriff zuvor zu kommen und erklärte dem Heiligen Römischen Reich am 20. April 1792 den Krieg. Der Krieg lief, trotz anfangs zahlenmäßiger Überlegenheit und zwischenzeitlicher Erfolge, nicht gut für das Reich. Die französische Armee war der Armee des Reiches taktisch überlegen und kämpfte im Gegensatz zu den vielen Nationen des Heiligen Römischen Reiches unter einer einzigen Nationalflagge. Hier offenbarte sich die Schwäche des Staatenbundes, der das Heilige Römische Reich war. Es mangelte an einer klaren Befehlsstruktur, klaren gemeinsamen Zielen und oft auch an einer gemeinsamen Sprache. Durch die Einführung der Wehrpflicht 1793 konnte Frankreich seine zahlenmäßige Unterlegenheit zudem wettmachen und war nun nicht mehr aufzuhalten. Am 8. Oktober 1794 wurde Bonn besetzt, im Frieden von Lunéville 1801 wurden die linksrheinischen Gebiete auch offiziell Frankreich zugesprochen. Damit endete nicht nur die Herrschaft von Maximilian Franz als Kurfürst von Kurköln, sondern auch das Kurfürstentum selbst. Fünf Jahre später war das gesamte Heilige Römische Reich Geschichte.

Bonn erlebte nach der Übernahme durch Frankreich eine Zeit der Veränderungen. Tausende Menschen verließen die Stadt, die Kurkölnische Akademie, Vorgänger der heutigen Universität, wurde geschlossen, die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich zunehmend. Gleichzeitig führte Frankreich unter Kaiser Napoleon Bonaparte eine Vielzahl neuer Gesetze und Verordnungen ein, die für eine größere Gleichberechtigung unter den Menschen sorgen sollten.

Im Januar 1814, 20 Jahre nach dem Eintreffen der französischen Truppen, verließen diese Bonn wieder. Nachdem Napoleon mehrere Jahre über große Teile von Europa geherrscht hatte, befand sich seine dezimierte und erschöpfte Armee nun überall auf dem Rückzug. Am 17. Januar 1814 zogen preußische Truppen in die Stadt ein. Nach der Kapitulation Frankreichs und dem Wiener Kongress wurde Bonn offiziell Teil von Preußen. Für die Bonner Bürger, deren Kultur sich doch sehr von der preußischen unterschied, fühlte sich die Übernahme durch Preußen wie eine erneute Besatzung und Fremdherrschaft an. Oft bezeichneten sich die Bonner zu dieser Zeit spöttisch selbst als "Beute-Preußen", also Menschen, die nicht aus freien Stücken Preußen waren. Trotz allem Misstrauen gegenüber den neuen Herren war die Erleichterung darüber, nun wieder Teil eines deutschen Reiches zu sein, spürbar groß. Noch heute erinnert ein Denkmal mit der Inschrift "Der Rhein, Deutschlands Strom, aber nicht Deutschlands Grenze" von Ernst Moritz Arndt an das nationale Bewusstsein der Bonner zur damaligen Zeit.

Mitte des 19. Jahrhunderts verbreiteten sich zunehmend demokratische Gedanken in Bonn und dem Rheinland. Führende Bonner Intellektuelle wie Ernst Moritz Arndt und Gottfried Kinkel engagierten sich in verschiedenen Bewegungen und Organisationen zur Verbreitung sozial-demokratischer Ideen. Diese Ideen stießen bei den preußischen Herren jedoch auf wenig Gegenliebe und wurden, teilweise mit Gewalt, konsequent unterdrückt. Dennoch war die Zeit unter preußischer Herrschaft für Bonn eine Zeit der Erholung. Die Wirtschaft wurde wieder gestärkt, neue Industrien angesiedelt, die Infrastruktur ausgebaut. Die Einwohnerzahl stieg von circa 8.000 unter französischer Herrschaft bis auf 50.000 am Ende des Jahrhunderts.


Die dunkelsten Stunden - Bonn in den Weltkriegen

Luftangriff auf Bonn, 1944
Im Oktober 1944 flogen britische Bomber den schwersten Luftangriff auf Bonn


Nach dem Sieg über Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg und der Gründung des Deutschen Reiches 1871 kehrte für einige Jahrzehnte Ruhe in Bonn und im Rheinland ein. Der Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914 wurde, wie in vielen anderen Städten auch, in Bonn von großer Euphorie und Optimismus begleitet. Der Verlauf des Krieges sollte diese euphorische Stimmung aber bald verstummen lassen. Als durch den Kriegseintritt der USA 1917 die Niederlage des Deutschen Reiches absehbar wurde, verschlechterte sich die Stimmung der Bonner Bevölkerung und der hier stationierten Truppen zusehends. Am 31. Oktober 1918, kurz vor Ende des Krieges, wurde Bonn Opfer eines der ersten Luftangriffe auf eine deutsche Stadt überhaupt. Sechs britische Bomber, deren eigentliches Ziel Köln gewesen war, ließen ihre Bomben auf die Gegend rund um den Friedensplatz fallen. Dabei kamen 26 Menschen ums Leben, 56 wurden verletzt.

Nach einigen Unruhen im Zuge der Kapitulation des Deutschen Reiches und der Novemberrevolution zogen am 8. Dezember 1918 britische Truppen als Besatzung in Bonn ein. Zwei Jahre später wurden die Briten von französischen Besatzungstruppen abgelöst, die bis 1930 in der Stadt blieben. Etwa 91.000 Menschen lebten nun in Bonn. Zu dieser Zeit kam die Idee auf, das Rheinland als unabhängigen Staat von Preußen, möglicherweise sogar vom Deutschen Reich abzutrennen. Frankreich und einige rheinische Politiker, unter anderem Konrad Adenauer, unterstützen diesen Vorschlag. Letztendlich war aber vor allem die wirtschaftliche Abhängigkeit von Preußen zu stark, um die Idee eines unabhängigen Rheinlands weiter zu verfolgen. Die ersten freien, demokratischen Wahlen in Bonn fanden am 20. Januar 1919 statt. Wahlsieger war die Deutsche Zentrumspartei, die Bonn in den kommenden Jahren zu einer ihrer Hochburgen ausbauen konnte.

Auch bei der Kommunalwahl im März 1933, zwei Monate nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler, siegte die Deutsche Zentrumspartei, mit 36 % der Stimmen vor der NSDAP mit 34 % der Stimmen. Obwohl sie nicht stärkste Partei geworden war, beanspruchte die NSDAP den Wahlsieg für sich und übernahm die Kontrolle über die wichtigsten Ämter der Stadt. In den folgenden Jahren kam es zu zunehmender Gewalt gegenüber Juden und politischen Gegnern der Nationalsozialisten. In der Reichskristallnacht am 9. und 10. November 1938 brannten die Synagogen in Bonn, Poppelsdorf, Bad Godesberg, Mehlem und Beuel. Mehr als 1.000 Bonner, die meisten von ihnen Juden, wurden zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten ermordet.

Am 1. September 1939 Begann mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Die Sorge der Bonner Bürger, bald nun wieder britische oder französische Besatzungstruppen in der Stadt zu haben, legte sich schnell, als Frankreich und Großbritannien dem Deutschen Reich zwar den Krieg erklärten, aber kaum militärische Aktionen unternahmen. Bis Herbst 1944 blieb Bonn so weitestgehend von den Grauen des Krieges verschont.

Dies sollte sich am 18. Oktober 1944 auf dramatische Weise ändern. 129 britische Bomber flogen an diesem Tag einen verheerenden Luftangriff auf Bonn. Ziel des Angriffs war die vollständige Zerstörung der Bonner Innenstadt. Schlechtes Wetter und technische Schwierigkeiten retteten an diesem Tag möglicherweise vielen Menschen das Leben. Denn von den 129 Bombern warfen nur 21 ihre Bomben tatsächlich über der Innenstadt ab. Die meisten Bomben gingen unkoordiniert auf andere Teile der Stadt oder auf das Bonner Umland nieder. Dennoch kostete der Angriff 300 Menschen das Leben, über 1.000 Bürger wurden verletzt. Die Innenstadt hatte enorme Schäden zu verzeichnen.

1945 wurde Bonn von der nationalsozialistischen Führung zur Festung erklärt. Demnach sollte die Stadt "bis zur letzten Patrone" verteidigt werden. Zweifellos hätte dies eine weitere Zerstörung der Stadt und den Tod vieler weiterer Menschen bedeutet. Richard von Bothmer, der als Generalmajor den Oberbefehl über Bonn hatte, sollte die Stadt bis zuletzt verteidigen und die vorrückenden alliierten Truppen so lange wie möglich aufhalten. Die Aussichtslosigkeit dieses Unternehmens erkennend weigerte sich von Bothmer, Bonn zu einem Schlachtfeld zu machen und zog sich mit seinen Truppen auf die rechte Rheinseite zurück. Am 9. März wurde die Stadt kampflos den ankommenden US-Truppen übergeben. Richard von Bothmer wurde daraufhin von deutschen Militärs verhaftet und wegen Pflichtversäumnis und Insubordination zu fünf Jahren Gefängnis und Degradierung verurteilt. Nur Minuten nach dem Urteil erschoss von Bothmer sich selbst. Für Bonn war der Krieg, der im Deutschen Reich noch weitere zwei Monate toben sollte, mit der Besatzung durch amerikanische Soldaten im März 1944 beendet.


Eine neue Ära - Bonn als Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland

Ehemaliger Plenarsaal, Foto von Matthias Groß
Der 1992 errichtete, ehemalige Plenarsaal der Bundesrepublik Deutschland, heute Teil des World Conference Center Bonn


Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann für Bonn ein unerwarteter Aufschwung. Berlin war geteilt, lag mitten in der sowjetischen Besatzungszone und war nur per Luftbrücke zu erreichen. Als Hauptstadt war die Stadt damit gänzlich ungeeignet. Im Falle eines Konfliktes zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion wäre sie kaum zu verteidigen gewesen. Daher beschloss man, bis zu einer erhofften Wiedervereinigung eine neue, provisorische Hauptstadt zu wählen. Diese Wahl fiel am 10. Mai 1949 auf Bonn, das sich gegen Frankfurt am Main durchsetze. Zwei Tage zuvor war bereits das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in Bonn beschlossen worden. Grund für die Wahl Bonns war vor allem die relativ unbeschädigte Infrastruktur der Stadt und des Bonner Umlandes sowie bereits bestehende Gebäude, die sich für Ministerien und Behörden eigneten. Da Bonn außerdem eine relativ kleine Stadt war lagen viele Gebäude so nah beieinander, dass sie untereinander gut per Fuß zu erreichen waren.

Infolge der Wahl zur Bundeshauptstadt kam es in Bonn zu einem großen Aufschwung. Die neuen Ministerien, Ämter und Behörden boten vielen Bonnern Arbeitsplätze und lockten neuen Menschen in die Stadt. Gastronomie-, Tourismus- und Freizeitgewerbe florierten. Als Hauptstadt war Bonn ständig in den Medien und erlangte weltweite Bekanntheit. Die wachsende Bedeutung der Stadt wurde in den kommenden Jahrzehnten durch Staatsbesuche, die Ansiedlung großer Unternehmen sowie immer neue Bauprojekte deutlich. Im Laufe der 1970er und 1980er Jahre wurde das spöttisch auch "Bundesdorf" genannte, eher provinzielle Bonn endgültig zu einer Großstadt. Die Einwohnerzahl hatte mittlerweile 290.000 erreicht.

Zu diesem Zeitpunkt rechneten die wenigstens Menschen noch mit einer realistischen Chance auf die Wiedervereinigung Deutschlands. Bonn hatte sich gut in seine Rolle als Hauptstadt der Bundesrepublik eingelebt. Der unerwartete Mauerfall am 9. November 1989 und die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 änderten die Lage jedoch grundlegend. Durch die Wiedervereinigung war Berlin bereits offizielle Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland geworden. Die Frage nach dem Regierungssitz fiel in einer Abstimmung am 20. Juni 1991 ebenfalls auf Berlin. Mit der Einschränkung, dass Bonn weiterhin politische Bedeutung haben sollte und einige Ministerien in der Stadt am Rhein bleiben sollten. Die genaue Ausarbeitung dieses Kompromisses führte 1994 zum Berlin/Bonn-Gesetz. 1999 war der Hauptstadt-Umzug von Bonn nach Berlin vollzogen.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends suchte Bonn daher nach einer neuen Identität und nach einer Möglichkeit, die vielen Gewerbe, die sich zu Hauptstadtzeiten in der Stadt angesiedelt hatten, vor einem Umzug nach Berlin oder gar der Insolvenz zu retten. Dieser Strukturwandel führte dazu, dass Bonn sich zu einem Zentrum für Dienstleistungen entwickelte. Die Ernennung zur UN-Stadt führte außerdem zu einer Ansiedlung von über 170 international tätigen Organisationen. Tatsächlich schaffe es die Stadt so, entgegen der ersten Befürchtungen nach der Wiedervereinigung, ihre Einwohnerzahl weiter zu steigern. Im Dezember 2020 lag diese Zahl bei 333.794. Heute gilt Bonn als nach wie vor provinzielle, oft übersehene und international eher unbekannte, dennoch bedeutsame, landschaftlich wunderschöne Stadt mit spannender Geschichte. Eine Perle am Rhein.